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Christine - Rückkehr nach Wien

 

   René Allermann, der Erfolgsautor, kehrt nach Jahren mit seiner Frau Ruth aus der ab-gelegenen Toskana, in die Stadt zurück, wo einst seine Karriere begonnen hat.

  Schon auf der Pressekonferenz nach seiner Rückkehr, die sein Manager Georg als Teil einer Werbekampagne geplant hat, kommt es zum Eklat.

Anstatt Georgs vorgefasste Rede vorzutragen, schwelgt René in der Vergangenheit und spricht den Wunsch aus, Christine wieder zu sehen.

Christine, Renés Jugendliebe, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, wurde von Georg in den letzten Jahren für die Öffentlichkeit zum Mythos ausgebaut.

Für Georg und Ruth ist eines klar, Christine darf niemals auftauchen; die Angst, Rene zu verlieren, stärkt beide.

Georg bestellt in Absprache mit Ruth eine junge Schauspielerin, die die Rolle der Christine übernehmen soll, ins Hotel. Zu beider Überraschung erscheint eine andere Frau, die von René als Christine begrüßt wird.

Durch das Eindringen einer fremden Person in die Dreierbeziehung, beginnt der Kampf um die bedrohte Existenz, an dessen Ende die Emanzipation Renés steht, die er schon seit Jahren geplant hat.

.


Alle Rechte  bei Johannes Wierz

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch

Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung

und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und andere Medien,

auch einzelner Abschnitte.

Das Recht der Aufführung oder Sendung ist nur von Johannes Wierz zu erwerben.

Den Bühnen und Vereinen gegenüber als Manuskript gedruckt.




PERSONEN:


RENE Allermann, Erfolgsautor


RUTH Allermann, seine Frau


GEORG, sein Manager und Agent


CHRISTINE, eine junge Schauspielerin


STIMME


Anmerkung zum Text:

Christine - französisch ausgesprochen

Christine - deutsch ausgesprochen








Eine luxuriöse Hotelsuite


Prolog


Aus dem OFF eine STIMME.


STIMME:

Warum sind Sie wiedergekommen?


RENE:

Ja

ich liebe sie

die Toskana

Viel mehr noch

ich brauche sie

Aber dennoch ist es von Nöten

von Zeit zu Zeit

die Örtlichkeiten

zu wechseln


STIMME:

Und wieso kommen Sie erst jetzt?


RENE:

Die Frage ist falsch gestellt

Denn eigentlich

war ich nie fort

Wie viele Menschen leben hier?

leben hier

in ihren Träumen

in denen sie

ferne Länder bereisen

oder gar

mit dem Gedanken spielen

auszuwandern

Ich dagegen

habe diese Stadt

nie verlassen

Meine Helden

Wie oft schritten sie nachts

einsam und verlassen

über den Michaelaplatz

oder an der alten Donau entlang?


STIMME:

Wie oft saßen Sie in Cafés?

Wohnten in schmierigen Pensionen

oder kamen über Vororte nicht hinaus?


RENE:

Nun

die Vergangenheit

ist abgegrast

Es ist an der Zeit

dass ich mich

der Gegenwart widme


STIMME:

Dann werden Sie auch

Christine

wieder sehen?


RENE:

Christine bitte

Sie heißt Christine

und nicht Christine

Verstehen Sie den Unterschied?

Was für Welten liegen

zwischen Christine

und Christine


STIMME:

Nun

werden Sie Christine wieder sehen?


RENE:

Ich bin zurückgekommen

um die Vergangenheit

gegen ein jetzt einzutauschen

Und Christine?

Ich weiß noch nicht einmal

wo sie wohnt

Wissen Sie es?

Ich meine

alles hat doch seinen Platz


Erste Szene


GEORG und RUTH betreten das Zimmer.


GEORG:

Er muss verrückt geworden sein

anders kann ich es mir nicht erklären

verrückt

einfach verrückt


RUTH:

So beruhige dich

Versuche ihn zu verstehen

Er war doch so lange nicht mehr hier


GEORG:

Was hat das denn damit zu tun?

Auf der ganzen Welt

sind wir gewesen

Die Klatschkolumnisten Hollywoods

die Pariser Kritiker

Alle hat er gemeistert

nur in der eigenen Stadt

dreht er durch


RUTH:

Jetzt setz dich doch

Ich mache uns erst mal einen Drink

und um Gottes Willen

beruhige dich

Du wirst sehen

der Whisky

wird dir gut tun


GEORG:

Leck mich am Arsch

mit deiner mütterlichen Philosophie

Wie viele Drinks

hast du ihm denn gemixt?

Nüchtern

kann doch einer allein

nicht soviel Scheiße bauen


RUTH:

Ach so ist das

Jetzt soll ich auf einmal

Schuld haben

Das ist mal wieder

typisch für dich

Also

darf ich dich vielleicht

an eine Kleinigkeit erinnern?

dass du

seine Reden schreibst


GEORG:

Was nützen die schönsten Reden

wenn er sich nicht daran hält


RUTH stellt ihm einen Drink hin.


RUTH:

So

jetzt trink erst mal

Schau

du siehst das alles

zu schwarz

Uns geht es doch gut

René

ist einer der bekanntesten

und bestbezahlten

Autoren

Was kann da so

ein kleiner Fauxpas

schon ausrichten?

Ich meine

ist es nicht ganz natürlich

dass man nach so vielen Jahren

jemanden wieder sehen will?


GEORG:

Das ist mir schon klar

dass das deinen geistigen Horizont

überschreitet

Wir leben von diesem jemanden


RUTH:

So kannst du mit mir nicht reden


GEORG:

Ich kann noch ganz anders


Er entfernt sich.


RUTH:

Wohin gehst du?


GEORG:

Wenn René kommt

ich bin auf meinem Zimmer


Er verlässt das Zimmer.

Sie geht zur Bar nimmt sich ein Glas und eine Flasche, dabei weint sie leise.


Zweite Szene


RENE betritt das Zimmer.

RUTH weint, vor ihr steht eine fast leere Flasche.


RENE:

Weißt du eigentlich

dass du unheimlich schön aussiehst

wenn du weinst

Das hat so was

imaginäres

Wie war ich?


RUTH:

Gut

aber


RENE:

Ich weiß schon

auf was du

hinaus willst

Es war mir ein inneres Bedürfnis

und außerdem

Ich wollte euch überraschen

Eifersüchtig?


RUTH:

Mache ich den Eindruck?


RENE:

Ich fühle mich richtig wohl

und Christine

das ist schon gar nicht mehr wahr


RUTH:

Warum belügst du dich selber?

Christine 

ist immer wahr

und wird es auch immer bleiben

Bis das der Tod euch scheidet


RUTH beginnt hysterisch zu lachen


RENE:

Gut

dass es dir wieder besser geht

Ich werde mich ein wenig hinlegen

Und heute Abend

Ruth

auf dem Empfang

werden wir tanzen

Ruth

nur wir beide

Freust du dich?


Dabei tanzt er im Walzertakt in das Nebenzimmer.


RUTH:

Du sollst Georg anrufen

er ist auf seinem Zimmer


Dritte Szene


GEORG telefoniert und zieht sich dabei aus.


GEORG:

Ja

Wolfgang

ja

wir haben uns jahrelang

nicht gesehen

Ja

Wolfgang

Hast du es auch gesehen

ja

deswegen rufe ich an

Vielleicht in der Bar heute Abend

Ja

wir reden auch

über Frauen und Fußball

Kannst du mir einen Gefallen tun?

Ja

wir reden auch

über Frauen und Fußball

ich verspreche es dir

Pass auf 

Ich brauche eine

deiner mittelmäßig

begabten Schauspielerinnen

Ja

das war ein Scherz

Nein

das war keiner

Ich schicke dir gleich ein Foto 

Ja

über das Finanzielle

reden wir heute Abend

Ja

wir reden auch über Frauen

Also

ich muss Schluss machen

Servus derweil

Baba


Er legt auf.


Arschloch


Vierte Szene


RUTH blättert in einer Illustrierten. RENE kommt aus dem Nebenzimmer.


RENE:

Wo ist Georg?


RUTH:

Drüben


RENE:

Hat er zu tun?


RUTH.

Er telefoniert


RENE:

Willst du was trinken?


RUTH:

Mhm


RENE:

Was liest du?


RUTH:

Ich denke

du bist müde

und schläfst


RENE:

Diese Hotelzimmer


RUTH:

Du wolltest mir doch etwas einschenken


RENE:

Die Duschen sind wie

Ich sollte mal etwas

über Hotels machen

Die Leute machen sich

ganz falsche Vorstellungen

Und in Filmen

sind es

falsche Einstellungen

Alles wirkt groß und elegant

Aber wie beschreibt man

Unpersönlichkeit?

Und was versteht

das Management

unter Gastlichkeit?

Beruhigend

ist da nur

die schöne Aussicht

Ja

wir haben wirklich

eine schöne Aussicht

Die Dächer von Wien

sind schon etwas besonderes

Auch darüber

sollte ich einmal schreiben

Die Dächer von Wien

Ja

die Dächer von Wien

Die Ortung

der Wiener Dächer

Ziegel um Ziegel

Wäre das Bett

bloß nicht so groß


RUTH ist inzwischen von hinten an RENE herangetreten. Sie umarmt ihn und öffnet ihm das Hemd.


Plötzlich macht RENE sich frei.


RENE:

Ich weiß etwas Besseres


Fünfte Szene


GEORG betritt das Zimmer.


GEORG:

Rene?

Ruth?


Er geht durch das Zimmer. Als er merkt, dass er alleine ist, nimmt er lustlos ein Hochglanzmagazin und liest laut eine Liebesgeschichte vor.

Nach einer Weile klingelt das Telefon.

GEORG nimmt den Hörer ab.


GEORG:

Ja hier 214

Wir haben nichts bestellt

Wenn ich Ihnen doch sage

Hören Sie

Da wird sich jemand

einen Scherz

erlaubt haben

Was gehen mich Ihre Kosten an


Er legt auf und liest weiter in der Zeitschrift.


Hinkend betritt RUTH das Zimmer.


GEORG:

Wo kommst du denn her?


RUTH:

Gut

dass du da bist

René ist weg


GEORG:

Wie weg?


RUTH befreit sich von ihren Schuhen und massiert sich die Füße.


RUTH:

Wir wollten Essen gehen

Diese Schuhe

Ich habe mich umgezogen

Meine Füße

Als ich fertig war

war er weg


GEORG:

Was machte er denn

für einen Eindruck

auf dich?


RUTH:

Wie immer

Nein

warte

Eigentlich war er wie früher

Kannst du dich noch

an unsere Hochzeitsreise erinnern?


GEORG:

Du meinst wohl eure


RUTH:

Wie er alle Plätze

im größten Cafe

am Markusplatz

reserviert hat


GEORG:

Dann hat er also

das Essen bestellt


RUTH:

Woher weißt du?


GEORG:

Die Hoteldirektion hat sich erlaubt

diesen kleinen Scherz

auf unsere Rechnung zu setzen


RUTH:

Er war wie früher


GEORG:

Jetzt setz dich

und hör mir genau zu

Also

In ungefähr zwei Stunden

wird hier

eine junge Schauspielerin

auftauchen

die sich als Christine

ausgeben wird

Und wir werden so tun als ob


RUTH:

Aber René wird doch nicht so dumm sein

und


GEORG:

Er wird

verlass dich darauf

Und du meine Liebe

wirst so tun

als wäre es die Echte

Verstehst du?

für dich und für mich

ist sie die echte Christine

Ich habe Bilder von ihr gesehen

die Ähnlichkeit ist verblüffend


Wieder geht das Telefon. RUTH geht an den Apparat.


RUTH:

Ja

hier 214

Für dich Georg

der Veranstalter


GEORG nimmt das Telefon.


GEORG:

Schön

dass Sie anrufen

Richten Sie es so ein

dass wir noch

einen kleinen Fototermin

dazwischen schieben können

Ja

Christine

ist gefunden

Und das wollen wir natürlich 

der Öffentlichkeit

nicht vorenthalten

Danke

Servus


RUTH:

Und wenn die richtige Christine

das mitbekommt

die wird doch


GEORG:

Nichts wird sie

Ich habe mir das genau überlegt

Wenn die richtige Christine

morgen die Zeitung liest

wird sie

ihren René

mit einer anderen Frau sehen

Sie wird denken

dass er sie nie gemeint hat

So einfach ist das


RUTH schaut ihn entfremdet an.


GEORG:

Du brauchst gar nicht so zu schauen

Was ist denn los?


RUTH:

Du hast wohl überhaupt keine Skrupel


GEORG:

Jetzt komm mir nicht so

Es hat dich doch sonst nie interessiert

Für wen tue ich denn

das alles?

Sag mir

für wen tue ich denn

das alles?


RUTH:

Du

tust es für dich

Georg

für dich




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 ISBN-10: 1496066480
 ISBN-13: 978-1496066480

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