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Das kleine Glück des Augenblicks

 

11.


Schon vor dem Betreten der Insel Vilm weiß ich, dass dies mein letzter Auftrag sein wird.

Ich hätte von Anfang an auf mein Unterbewusstsein hören sollen. Was sonst schickt mir diese Bilder und Stimmen aus meiner Vergangenheit. Geister, die nicht ruhen wollen und in meinem unbewohnten Haus mit den Ketten rasseln. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, die Fenster zu öffnen und die weißen Laken von den Möbeln zu nehmen.  

Wer weiß, was dann passiert?

„Wenn Sie mir bitte folgen wollen“, sagt die Inselführerin an der Anlegestelle, an der noch ein paar kleinere Boote liegen und ein alter NVA-Geländewagen in der Sonne steht.

Über eine geteerte Rampe führt sie uns als erstes zu den Ferienhäusern der SED-Bonzen, die verstreut in einer Wiesenlandschaft stehen, auf der Schafe weiden.

Im ehemaligen Ferienhaus von Erich Honecker ist das Bundesamt für Umweltschutz untergebracht, verrät uns die Inselführerin.

„Dort drüben das große Haus diente der SED als Gästehaus. Hier verlebten unter anderem Leonid Breschnew und Franz-Josef Strauß schöne Urlaubstage!“

In ihrer Geschichtswelt gibt es nur einen blauen Himmel und Sonnenschein.

Bevor wir die letzten Häuser erreichen, in dem in einem Erich Mielke seinen Sommer verbracht hat, lassen wir uns zurückfallen.

Hinter einem Pfeiler wirft eine Person Schatten auf die Terrasse aus Naturstein. Das wird Klaus sein. Im kurzen Bogen gehe ich auf das Haus zu und bin hinter dem Pfeiler verschwunden.

„Es ist das letzte Haus auf der linken Seite“, flüstert Klaus, steckt mir den Schlüssel zu und findet durch einen Spurt über die Wiese Anschluss zur Reisegruppe.

Als der letzte Besucher hinter dem Hügel verschwunden ist, mache ich mich auf.

„Bevor wir drüben das kleine Wäldchen erreichen, stößt eine Freundin von mir zu uns. Du lässt dich dann zurückfallen. Es ist das erste Haus auf der rechten Seite“, flüstert Klaus Ivana ins Ohr, die sich für einen Moment erschrocken hat. Seit dem Vorfall in den Bergen fühlt sie sich unwohl in einer Gruppe von Menschen.

Am liebsten wäre sie jetzt Zuhause bei ihrer Mutter. Dort würde sie sich drei Tage in das Gästezimmer einschließen und heulen. Die Mutter würde Liebeskummer diagnostizieren, keine Fragen stellen und stattdessen Unmengen an Palatschinken herstellen.

Gerne würde sie ihrer Trauer freien Raum geben, aber seit ihrem Anruf bei der Polizei ist sie nicht mehr allein gewesen. Zudem hat sich alles verändert. Nichts von ihrem alten Leben hat mehr Bestand. Es fühlt sich wie ein Albtraum an, aus dem sie einfach nicht aufwachen kann. Selbst ein Kneifen und Piksen würde da nicht helfen.

Früher, wenn Ivana durch den Wald zur Großtante gegangen ist, hat sie immer eine Melodie im Ohr gehabt. Ganze Sinfonien haben sich in ihrem Kopf abgespielt und sie sicher zur Großtante geleitet.

Ihre jetzige Begleitung ist die erste, die eine angenehme Stimme hat. Sie ist warm und ausgeglichen. Dennoch scheint den Mann etwas zu bedrücken. Oft ist er abwesend, zumindest kommt es ihr so vor. Vielleicht ist es die Gefahr, die er mehr spürt als sie. Eines möchte Ivana auf keinen Fall, dass noch mehr Menschen ihr Leben wegen ihr verlieren.

Die Vorstellung, dass die jungen Männer aus Kap Arkona nicht mehr leben, raubt ihr den Verstand.

Sie muss unbedingt mit ihrer Mutter telefonieren, aber wie soll

sie das anstellen? Ihr Smartphone hat die Polizei. Und was in aller Welt soll sie ihr erzählen, ohne dass sie unnötig in große Sorgen gerät?

Die Luft im Haus ist stickig, als ich es betrete, eine Mischung aus Armenhaus und Ferienwohnung, die einmal im Jahr genutzt wird.

Ich öffne nur die hinteren Fenster, um kein Aufsehen zu erregen.

Die Einrichtung kommt einer Zeitreise in die fünfziger Jahre gleich.

Die Spießigkeit scheint noch in den Wänden zu hängen und dünstet sich aus.

Für mich unvorstellbar, dass hier Eva-Maria und Klaus wieder zueinander gefunden haben.

Ich packe den Rucksack aus und stecke die Lebensmittel in den Kühlschrank, dessen Marke ich nicht kenne. Vom Geräusch her wahrscheinlich ein russisches Fabrikat.

Auf dem Küchentisch liegt eine Landkarte von der Insel Vilm. Klaus hat handschriftlich notiert: Bitte unbedingt lesen und berücksichtigen.

In den beiden Schlafzimmern entdecke ich kleine schwarze Kugeln auf dem Boden, die ich mit einem Besen, den ich in der Küche finde, aufwische. Mäusescouts haben sie gelegt, um ihrer Mischpoke zu sagen, die Luft ist rein.

Ich setze mich hinter das Haus, um eine Zigarette zu rauchen und warte auf Ivana. Dabei fällt mir auf, dass sie die erste Klientin ist, die allein in ein neues Leben geführt werden soll.

Hätte mich das nicht von Anfang an stutzig machen sollen?

Warum gibt mir das Amt eine Künstlerin, wo es doch immer heißt keine Überschneidungen?

Sie wissen doch, was ich früher gemacht habe.

Ohne das hätte ich nie meine Identität verraten. 

Was passiert gerade?

Ich falte die Landkarte von der Insel auseinander und studiere die Eintragungen. Klaus hat Routen und Plätze eingetragen und daneben Uhrzeiten geschrieben, wann und wo wir uns unbeschwert aufhalten können. Die Vogelkundler sind beispielsweise ab sieben Uhr morgens auf der Insel unterwegs, beobachten die Nistplätze aus sicherer Entfernung oder zählen die Bestände. Die Pflanzenkundler halten sich zur Zeit nur am östlichen Zipfel der Insel auf, wo sie eine sibirische Pflanze entdeckt haben, die dem heimischen Enzian ähnlich ist. Die Vermesser sind nur einmal die Woche unterwegs. Selbst der Bewegungsradius der drei Doktoranden ist feinsäuberlich eingetragen.

Ein zaghaftes Klopfen lässt mich zur Tür eilen.

„Entschuldige die Verspätung, ich habe mich ein wenig verlaufen“, sagt Ivana und verschweigt, was sie in der letzten Viertelstunde wirklich getan hat.

„Leg dich was hin, ich koche uns was Schönes“, sage ich und überspiele meine Sorgen, denn meine Opernsängerin sieht wirklich nicht gut aus.

Ihren Rucksack habe ich vorsorglich in das größere der beiden Schlafzimmer gestellt. Dafür hat es keine Terrasse. Die Tür habe ich von der Küche aus im Auge und die Rolladen sind bereits unten.

Pasta mit einer Bolognesesoße, dazu einen gemischten Salat und als Nachtisch eine Schokomus. Ich schaue auf die Uhr, eigentlich viel zu früh um zu kochen. Ich packe meinen Rucksack aus und stelle sofort fest, dass eines der Prepaid Handys fehlt.

Ich schaue auf die Inselkarte, die Klaus auf dem Küchentisch hinterlegt hat und mache mich zum südlichsten Zipfel der Insel auf.

Aus der Deckung eines Wäldchens blicke ich auf das Meer, dass sich für die Belange an Land nicht zu interessieren scheint. Selbst die Segler, die im Wind kreuzen, sind nur ein paar kleine Wellen wert. Die Spezies Mensch scheint die einzige zu sein, die alles in Unordnung und aus den Fugen reißen will.

Erinnere dich nicht an alles, sagt eine warnende Stimme in mir.

Auf der anderen Seite läutet eine Schiffsglocke.

Der Kapitän zählt die Besucher, die wieder an Bord gehen und wird zufrieden sein.

Nach den Aufzeichnungen von Klaus sind mit uns nur noch elf Personen auf der Insel, eine überschaubare Zahl, vor allem, wenn man ihre Bewegungs- und Verhaltensmuster kennt.

Ich wage mich aus der Deckung und kehre zu unserem Haus zurück.

Wenn ich allein bin, koche ich ungern, ich muss mich regelrecht dazu überwinden. Aber in den verschiedenen Wohnungen, die ich angemietet habe, muss ab und an ein Duft von Leben strömen, damit besorgte Nachbarn nicht auf die Idee kommen, meine Rückzugsorte aufzubrechen, nur um zu sehen, ob ich noch lebe.

In zwei meiner Wohnungen benutze ich nur die Mikrowelle, der Herd und die Arbeitsflächen sind mehr oder weniger fabrikneu. Ich entsorge den Fraß nachts in einer Tüte luftdicht verpackt und gehe in einem anderen Stadtteil essen.

In einer anderen Wohnung lasse ich mal einen ganzen Tag eine frisch aufgesetzte Rindersuppe durch das Haus ziehen und freue mich, beim Müll runtertragen darüber, dass eine Nachbarin in ihrer Begrüßung feststellt, dass ich wieder da bin.

Die Messer sind stumpf und billig, die ich der Schublade entnehme, die muffig riecht. Nach mehrfachem Wechsel meines Arbeitsgeräts gelingt es mir Möhren und Zwiebeln die richtige Größe zu geben. Es zischt, als ich Gehacktes und das Gemüse in das heiße Fett rutschen lasse.

Ich schaue auf die Uhr und gebe der Opernsängerin keine zehn Minuten. Dann werden die Gerüche von angeschwitzten Zwiebeln, Gemüse und angebratenem Rinderhack ihre Nase kitzeln. Heimat ist das Zauberwort, das eine vertrauensvolle Umgebung schafft.

„Riecht nach großem Hunger“, sagt Ivana, die mit verquollenen Augen und einem Gähnen die Wohnküche betritt.

„Ein bisschen dauert es noch“, erwidere ich mit einem Lächeln und zeige auf den Tisch, wo eine Flasche Rotwein mit zwei Gläsern steht.

„Ich glaube, ich gehe lieber erst mal duschen“, sagt Ivana und zeigt den bisher besten Versuch eines Lächelns.

Als sie geduscht und angezogen zurückkommt, steht das Essen dampfend auf dem Tisch.

Wir sitzen uns gegenüber und beobachten uns mit halbem Augenaufschlag. Ich versuche ein Lächeln. Da ich aber gleichzeitig denke, sind meine Versuche ähnlich kläglich, wie die ihren.

Kurze Dialoge, die im Nichts enden. Das Gesicht des anderen verrät, dass es gut ist, zu schweigen. Wir haben eine erste Übereinkunft und das fühlt sich schön an.

Irgendwann muss ich mit der ganzen Wahrheit herausrücken, dann ist es für sie gut, wenn sie eine Schulter hat, an der sie sich ausweinen und festhalten kann.


Ich bin auf einem anderen Planeten, in einer anderen Welt und führe ein anderes Leben. Wie gerne würde Ivana ihren Gegenüber fragen, wie sein Name ist. Vielleicht ist ja ihr bisheriges Leben nur ein Traum gewesen und das hier ist die Wirklichkeit.

Zumindest wird sie aus ihrem Tischnachbarn nicht schlau. Gut, er passt auf sie auf, bringt sie von einem sicheren Punkt zum anderen. Aber, warum ist die Polizei nicht mehr da?

Es ist nicht so, dass sie diesen Zustand zurückwünscht. Immer neue Personen, die ernst dreinschauen, voller Aktionismus sind, Kaffee trinken und nach Schweiß stinken.

Die Aktion auf dem Leuchtturm und die Sache mit der Frauenperücke hat sie beeindruckt und an eine Oper von Mozart erinnert.

Überhaupt, seit sie mit diesem Menschen unterwegs ist, hat sie das Gefühl, in einem Film mitzuspielen, dessen Ausgang sie nicht kennt. Dennoch hat sie das Gefühl, dass es auf ein Happyend hinausläuft. Bei dem Wort Happyend muss sie grinsen und sie bemerkt sofort, dass ihr Gegenüber es ihr gleichtut. Dabei weiß er doch überhaupt nicht, was in ihrem Kopf vorgeht. Erst das junge Mädchen, dann ihr Freund und jetzt eine Gruppe junger Männer, die das Pech gehabt haben, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Gerade diese jungen Männer, die ihr Leben noch vor sich hatten, haben nichts falsch gemacht.

Ist es nicht ihr Gegenüber gewesen, der die Leuchttürme als Treffpunkt ausgesucht und damit indirekt ihr Todesurteil gesprochen hat?


„Hat es geschmeckt?“

„Ausgezeichnet“, erwidert Ivana und ist die Erste von uns beiden, die aufsteht und abräumt.

Ich schau auf die Uhr, der große Zeiger liegt an der 3. Gefahrlos kann ich das Küchenradio einschalten.

Zum Glück will niemand mehr die Welt retten oder erzählt von seinem Haus am See, stattdessen laufen alte Reggae Nummern und Sommerballaden.

Ivana spült und ich trockne ab. Schweigsam und dennoch vertraut, fast eingespielt. 

Anschließend gehen wir mit einer Flasche Wein auf die hintere Terrasse und lauschen den Geräuschen der Insel.

„Drüben im Baum sitzt ein Kauz oder eine Eule“, flüstert Ivana mir zu und legt sich eine Decke über ihre nackten Schultern.

Ich versuche ihrem Finger zu folgen und entdecke tatsächlich in einer Astgabel einen Schatten.

Von weitem ist das Tuten eines Schiffes zu hören. Unweit auf einer Wiese schnauft ein Pferd, bevor es wieder für ein paar Minuten in den Schlaf fällt. Ein paar Nachtvögel sind zu hören und um unser Haus kriecht ein Igel.

„Bei uns Zuhause gab es im Sommer immer Glühwürmchen“, flüstert Ivana, „als Kind wollte ich sie immer einfangen, aber meine Großtante Zita war dagegen. Sie sagte, dass man das phantastische, das geheimnisvolle in der Natur so beibehalten sollte. Meine Großtante und ich sind stundenlang nächstens auf der Terrasse gesessen und haben der Symphonie der Natur gelauscht, ein Bühnenbild bestaunt, in der eine grandiose Vorstellung vonstatten ging, in denen die Glühwürmchen die Rolle des Balletts übernommen haben. Spätestens bei meiner ersten Zauberflöte ist mir das bewusst geworden. Mozart muss viel an der Natur gewesen sein.“

Vor allem in der Postkutsche. Sicherlich keine Freude zu der damaligen Zeit. Vielleicht hat das Jahrtausendgenie nur deshalb Noten gemalt, um nicht andauernd aus dem Fenster weißen Schleim zu kotzen. In Augsburg oder Salzburg wird ihm das ein Quacksalber empfohlen haben. Das Schicksal eines Genies ist die Einsamkeit, wobei niemand weiß, was zuerst da war, die Genialität oder die Einsamkeit. Ich weiß ja nicht einmal, warum ich Tag und Nacht ein Vierteljahrhundert geschrieben habe.

Was ist mein Handicap gewesen?

Die Größe?

Die falsche Schule?

Die Familie?

Die Liebe?

Als ich noch unentwegt meine Gedanken zu Papier gebracht habe, hat dieser Gedanke noch nicht einmal eine Keimsprosse gehabt.

Heute habe ich das Gefühl, dass Künstler von Profidern analysiert werden.

„Warum sagst du nichts?“, fragt mich Ivana, die ich sträflich im Stich gelassen habe.

Was soll ich ihr von meiner Befindlichkeit erzählen?

In absehbarer Zeit beginnt der Prozess und ich muss sie dazu bringen, als Kronzeugin auszusagen, danach wird man sich niemals wieder sehen.

Bisher habe ich Glück gehabt, niemanden in der Zeitung als Leiche oder als Vermisst gemeldet entdeckt zu haben.

„Ich geh dann mal schlafen“, sagt Ivana.

Ich schweige und habe ein schlechtes Gewissen. Ich bin nicht gut und weiß nicht warum.

Zwei Weingläser später gehe ich durch das Haus, horche an ihrer Tür und mache mich auf. 

Endlich kann ich am Strand sitzen. In dieser sternenklaren Nacht ist sogar das Meer zu sehen. Eine in sich bewegende dunkle Masse, in der es ab und an silbern und golden glitzert. Zwischen Greifswald und Usedom blinken in der Ferne die Positionslampen der Windräder. Zwischen den Steinen habe ich einen sandigen Platz gefunden, der mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Warum akzeptiere ich die Tatsache nicht, dass es jetzt Nacht ist und ich nicht an einem Strand etwa dem von Sellin oder Binz sitze?

Das Nichtakzeptieren von Tatsachen wecken doch erst die Geister. Es beginnt mit dem Off-Ton einer harmlosen Strandatmosphäre, zu der Kindergelächter,-geschrei, Musik und das Klingeln des Eiswagens gehört. Ab und an eine Durchsage der Strandwacht, die Werbung für eine Veranstaltung am Abend macht. Ein Kind mit dem Namen Ronny kann an Punkt sieben abgeholt werden.

Schon rieche ich die Haut meiner Frau, die gerade aus dem Wasser gekommen ist, sich geschüttelt hat wie ein Hund, um sich dann neben mir auf die Decke zu schmeissen. Ich lege meinen Kopf an ihren nassen Körper und atme sie ein. Vielleicht bleibt die Zeit ja doch stehen und nur das, was wir als Wirklichkeit empfinden, geht seinen weiteren Weg. Ich krieche unter die Hülle, die meine Frau umgibt und fühle mich unbeschreiblich. Frei und beschützt halte ich den Pendel der Uhr an. Die Kinder haben für alle ein Eis geholt und verteilen es mit ernster Miene, die einem sagen soll, dass sie sich eigentlich wie Zwölfjährige fühlen, obwohl sie erst zehn Jahre alt sind. Alle vier stecken wir die Köpfe zusammen, grinsen uns an und schlecken Eis.

„Ein schöner Platz zum Träumen“, sagt eine Frauenstimme, die ich erst seit ein paar Tagen kenne.

„Wie hast du mich gefunden?“, frage ich, ohne mich umzudrehen.

„Ich habe die Inselkarte studiert und den Ort am idealsten gefunden.“

Ich schweige, was soll ich auch sagen?

Etwa den Versuch starten, ihr zur erklären, warum ich so lange nicht mehr am Meer gewesen bin. Wahrscheinlich müsste ich ab dem Zeitpunkt der Geburt der Opernsängerin beginnen.

„Als Kind habe ich mich im Sommer oft auf einem kleinen Hügel vor ein riesiges Kornfeld gesetzt. Der Wind hat die Halme so in Schwingungen versetzt, die dem eines Meeres gleichkommen. Nach einer gewissen Zeit sind die Konturen der Ähren so verschwommen, dass nur eine gelbliche Masse bleibt, die sich in Wellenbewegung auf mich zubewegt, ohne näher zu kommen. So habe ich mir immer das chinesische Meer vorgestellt, obwohl ich keine blasse Ahnung davon hatte, wie das chinesische Meer aussieht und wo es sich erstreckt.“

„In China“, erwidere ich.

Beide müssen wir lachen.

Sie fischt sich eine Zigarette aus der Packung und ich zünde sie ihr an.

Gesichter, die im Halbdunkel für einen Moment durch ein Feuerzeug angeleuchtet werden, haben etwas von Magie.

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11. Kapitel

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