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Jubiläum

 


Die Landesklinik für psychisch Kranke feiert Jubiläum. Alle sind hektisch beschäftigt mit den Vorbereitungen für den großen Festakt, auf dem unter anderem auch der Minister erwartet wird.

Beim Festakt werden die üblichen Lobreden gehalten, wobei die Rolle, die die Klinik im Dritten Reich spielte, geflissentlich übergangen wird.

Nur eine ältere Patientin hat die Vergangenheit nicht vergessen: sind doch ihre beiden Kinder hierhin deportiert worden.

Das Jubiläum gibt ihr endlich die Gelegenheit die Wahrheit ans Licht zu bringen und sich zu rächen.

Alle Rechte  bei Johannes Wierz

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch

Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung

und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und andere Medien,

auch einzelner Abschnitte.

Das Recht der Aufführung oder Sendung ist nur von Johannes Wierz zu erwerben.

Den Bühnen und Vereinen gegenüber als Manuskript gedruckt.





PERSONEN:



ALTE FRAU


JUNGER MANN


1.ARZT


CHEFARZT(Professor),


HAUSMEISTER


ZIVILDIENSTLEISTENDE


2.ARZT


KOWALSKI


MUSIKER


RECHEW und WAGNER (zwei Schachspieler)


ASSISTENZARZT


GRÄFIN (Königin der Nacht)


GRAF


ALLEINUNTERHALTER


Insassen


MINISTERPRÄSIDENT


SEKRETÄR, FOTOGRAFEN, JOURNALISTEN, ANWESENDE





1. Szene


In der Psychiatrie.

Auf dem Flur einer geschlossenen Abteilung. Rechts und links viele Türen, die mit Zahlen gekennzeichnet sind, gegenüber den Türen, Bänke. In der Mitte (nach hinten versetzt) ein übergroßes Fenster, durch das man in einen großen Saal schauen kann. Der Saal wird gerade festlich geschmückt.


Auf der linken Seite sitzen: eine ÄLTERE FRAU und ein JUNGER MANN.


JUNGER MANN:

Das Warten ist das Allerschlimmste

Die Zeit ist zäh

wie ein Kaugummi

Warten ist sinnlos

Wenn man sich entschließt

zu warten

ist man hoffnungslos verloren

Das Leben draußen

ist schnell

sehr schnell

Ein Tag mit sinnlosem Warten zugebracht

und man hat den Anschluss verpasst

Wenn man wartet

glaubt man

dass die Zeit nicht vergeht

aber genau das Gegenteil

ist der Fall

Wenn man aufhört

zu warten

ist es zu spät

um noch aufzuspringen

Wer wartet

scheidet aus

und zwar für immer


ALTE FRAU:

Ich warte nicht

habe seit langem

kein Zeitgefühl mehr

wozu auch

Ich habe nichts und niemanden

auf den ich warten kann

also warte ich nicht

Beim Arzt muss ich warten

Aber das ist kein richtiges Warten

wenn man es muss

Alles was man muss

ist nicht richtig

ist nicht wahr

Die Wahrheit kann nicht erzwungen werden

Hier muss ich sein

habe eine Vorladung

Da ich hier sein muss

bin ich nicht hier

Nur meine Angst ist hier

Es ist egal

ob ich hier sitze

oder woanders

Überall nur ein muss

Der Arzt sagt

ich sollte versuchen

an mich zu denken


JUNGER MANN:

Wieder dieses sinnlose Warten

und überall

die gleichen Flure

Diese Flure

sind wie ein Vakuum

erst durch das Öffnen der Türe

kommt die Zeit wieder

und dann ist es zu spät

Immer

wenn es längst zu spät ist

wird eine Tür geöffnet

In diesen Fluren

hängen keine Uhren

Ich habe in diesen Fluren

noch nie eine Uhr hängen gesehen

Überall da

wo das warten sinnlos ist

hängen keine Uhren

Die Ärzte sind schlaue Menschen

vorbeugende Charaktere

Ohne Uhr

auch keine Sinnlosigkeit

denken sie


ALTE FRAU:

Drüben bereiten sie eine Feier vor

Ich habe das Schild gesehen

Fünfzig Jahre

stand darauf

umrahmt von goldenen Lorbeerblättern

Ein Jubiläum

ein Geburtstag

An Geburtstagen

geht immer alles drunter und drüber

das wird hier nicht anders sein

Als ich fünfzig Jahre alt wurde

hat sich mein Mann

extra frei genommen

Der Tagesablauf wurde auf den Kopf gestellt

Zum Frühstück gab es Brötchen

Aber schön war es

Ja es war schön

An meinem fünfzigsten Geburtstag

ist mein Mann

sehr lieb zu mir gewesen

Geburtstage

sind außergewöhnliche Tage

sie stellen die Regelmäßigkeit auf den Kopf

Fünfzig Jahre

stand auf dem Schild

Ein fünfzigjähriges Jubiläum

wird gefeiert

das wirft alle Regelmäßigkeiten

über den Haufen

Fünfzig Jahre

eine schöne Zeit


JUNGER MANN:

Ich kann nur hoffen

dass ich dieses Alter nicht erreiche

Fünfzig Jahre

sinnloses Warten

werde ich nicht aushalten

Zwanzig Jahre ohne Ruth

sinnloses Warten ohne Ruth

kann ich nicht aushalten

Ich bin krank

sagen die Ärzte

weil ich ohne Ruth nichts aushalte

Ohne Ruth ist ja auch alles sinnlos

Zwanzig Jahre

ohne Ruth

nur sinnloses Warten

Und draußen

herrscht eine andere Welt

Eine schnelle Welt

auf die ich nicht mehr aufspringen kann

Ruth hat man mir einfach weggenommen

regelrecht aus der Hand

hat man sie mir gerissen

Die Eltern haben mich nie leiden können

Ihre Eltern waren von Anfang an gegen mich

Es hat mich nicht verwundert

dass sie mich angezeigt haben

Aber dennoch ist es ein Unrecht

dass man sie mir weggenommen hat

Die Welt wollte ich ihr zeigen

wie ich es ihr versprochen hatte

Aber wie soll ich ihr die Welt zeigen

wenn ich mich hier

jede Woche melden muss?


ALTE FRAU:

Hoffentlich habe ich alles dabei


Sie kramt in ihrer Handtasche und holt mehrere Zettel heraus.


Wenn man nicht alles dabei hat

muss man wiederkommen

und sich wieder hinten einreihen

Man muss so lange wiederkommen

bis man alles dabei hat

Was "alles" ist

bestimmen sie

Für ein Wiederkommen

reicht meine Angst nicht aus

dann müssen sie mich wieder holen

Wenn man alles dabei hat

muss man nicht wiederkommen


Auf der rechten Seite geht eine Tür auf. ZWEI ÄRZTE in weißen Kitteln treten heraus.


1.ARZT:

Ich habe gehört

dass sie die Jubiläumsrede halten werden


CHEFARZT:

Ja ja

man hat mich gebeten

Auch das gehört dazu

auch das sind Pflichten

eines Chefarztes

obwohl mir dies nicht sonderlich liegt

Aber was soll man machen

Das Kuratorium

die Direktion

da ist man machtlos

Man ist halt selber nur ein Rädchen

ein kleines Rädchen im Getriebe

Wussten Sie eigentlich

dass wir über 250 Mitarbeiter haben


1. ARZT verneint.


Trösten Sie sich

ich habe es auch nicht gewusst


Er blättert in den Unter]agen.


Exakt 263 Mitarbeiter

Tapfere Streiter für die Gesundheit

für das Wohlergehen

für das Wohl der Gesellschaft

für das Wohl einer Kranken-Gesellschaft

Wie finden die Formulierung?


1. ARZT:

Nun von einer kranken Gesellschaft


CHEFARZT (unterbricht):

Nein nein

das meinte ich nicht

Tapfere Streiter

habe ich in meine Rede eingebaut

Bei


Er blättert in seinen Unterlagen.


263 Mitarbeitern

dachte ich mir

es ist besser

wenn ich von einem Kollektiv spreche

und niemanden besonders hervorhebe

Man ist ja doch nicht in der Lage

an alle zu denken

wie leicht vergisst man jemanden

Nicht wahr

Herr Kollege?

Das schafft nur böses Blut


er lacht verkrampft.


Irgendjemanden vergisst man immer

Nein nein

darauf lasse ich mich nicht ein

Es soll ja ein harmonischer Abend werden

Eine schöne Jubiläumsfeier

sollte man nicht so leicht

aufs Spiel setzen

Die Herren vom Betriebsrat

werden schon zu genüge

für Aufregung sorgen


Bei


er blättert wieder in den Unterlagen


263 Mitarbeitern

kann man nicht jedem gerecht werden

Tapfere Streiter

Eine Armee

im Kampf gegen die Krankheiten

gegen die Geisteskrankheiten

Die Geisteskrankheit

ist die größte Herausforderung unserer Zeit

der wir gemeinsam und entschlossen

entgegentreten müssen

Herr Kollege

falls Sie es in naher Zukunft

auf meinen Posten

abgesehen haben

würde ich eine Möglichkeit sehen

wie Sie sich

vor einer größeren Zuhörerschar

profilieren könnten


Beide verlassen durch eine andere Tür den Flur.


JUNGER MANN:

Die weißen Wände

begleiten einen

ein Leben lang

Aus dem warmen Mutterbauch

herausgepresst

in den kalten

weißgekachelten Kreißsaal

Schon in dem weißgekachelten Kreißsaal

ist man allein

da nützt das glückliche Lächeln

der Mutter

nicht viel

Das Lächeln der Hebamme und des Arztes

ist sowieso nur aufgesetzt

Seitdem ich das Leichenschauhaus

kennen gelernt habe

kann mir niemand mehr etwas vormachen

Der Kühlraum

unterscheidet sich

in keinster Weise vom Kreißsaal

Der einzige Unterschied besteht darin

dass der Kühlraum im Keller

und der Kreißsaal im Parterre liegt

und dazwischen überall

diese weißen Wände

Überall ein nahtloser Übergang

Die Farbe weiß

macht einen krank


ALTE FRAU:

Sie werden mich vergessen haben

es wäre nicht das erste Mal

Am Empfang wird man noch freundlich begrüßt

Ein Herzlich Willkommen

kommt ihnen leicht über die Lippen

Wenn man aber erst eine Nummer hat

seine Wartenummer

ist man hoffnungslos verloren

Mir macht es ja nichts aus

Ich bin es gewohnt

vergessen zu werden

Ich bin eine unscheinbare Person

hat auch der Herr Professor gesagt

Ein netter Mensch

der Herr Professor

Meinem Mann

hat das Unscheinbare gefallen

Wir sind nie weggegangen

immer Zuhause geblieben

Zuhause

habe ich es uns schön gemacht

Uns fehlte es an nichts

ein Radio

der Fernseher

Ich war halt nicht darauf vorbereitet

als mein Mann starb

hat auch der Herr Professor gesagt

Aber wer ist schon auf den Tod vorbereitet?

Das bringen sie nie im Fernsehen

Was hätte ich schon anderes tun sollen?


Auf der anderen Seite geht eine Tür auf.

Der HAUSMEISTER und der ZIVILDIENSTLEISTENDE betreten den Flur.

Sie haben eine Werkzeugtasche und einen großen Holzkoffer dabei.


HAUSMEISTER:

Früher war alles aus Holz


Er fischt eine Flasche Bier aus dem Blaumann und nimmt einen großen Schluck.


Früher hießen ja auch alle Willi

Auf meinen Großbaustellen

hießen sie alle Willi


er lacht


Ja

in ganz Deutschland

war ich auf Montage

Karstadt in Köln

Kaufhof in München

habe ich alles mitgebaut

Und dann macht dieser dumme Wichser pleite

weil er den Hals nicht voll kriegen kann

Ja so geht das

Hast du die Maße?


ZDL:

Von der Decke ein Meter sechzig

in einem Abstand von zwei Metern


HAUSMEISTER:

Das ist mal wieder typisch

für die Herren Akademiker

überhaupt keinen Blick fürs Praktische

Anstatt sie uns die Maße von unten angeben

Jetzt muss ich wieder die Leiter holen


er nimmt einen Schluck


Holst du mal die Leiter aus dem Keller


Mürrisch verschwindet der ZDL. Der HAUSMEISTER leert die Bierflasche öffnet die Holzkiste und tauscht die Flasche gegen eine neue aus.

Er öffnet die Flasche mit dem Schraubenzieher.


Früher war alles aus Holz

Da hat man dreißig Jahre

seine Knochen hingehalten

Bei Wind und Wetter

geschuftet bis zum Umfallen

Und dann

macht die Firma pleite

Konkurs

und was bleibt übrig?

Kaputte Knochen

und eine goldene Uhr

zum Fünfundzwanzigsten

Scheiß Sozis

wären die damals

nicht an die Macht gekommen

würde ich heute

noch auf dem Bau arbeiten

Als die Wende kam

war ich schon zu lange draußen

Scheiß Sozis

Dann

hat mir das Arbeitsamt

diese Stelle vermittelt

und ich musste auch noch danke sagen

Das Leben ist hart

aber es lehrt ungemein

Na denn Prost


Er nimmt einen kräftigen Schluck. Dann holt er aus der Holzkiste mehrere Bilderrahmen heraus und legt sie den Flur entlang.


Dass ich mal

in der Klapsmühle lande

hätte ich im Traum

nicht gedacht

Da drüben

sitzen auch so zwei arme Schweine

dabei bringt die Behandlung

überhaupt nichts

Irgendwann

springen sie ja doch

vom Dach

oder laufen Amok

Und ich kann den Dreck

wieder wegmachen

Von wegen im Herbst

nur Laub kehren

schön wär's

Früher hatte man solchen

die Spritze gegeben

und alle hatten ihren Frieden

Schon gut

dass ich nicht

in die Geschlossene muss

da soll es ja drunter und drüber gehen

Nee nee

früher war alles aus Holz


Der ZDL kommt mit der Leiter zurück.


Mit dem Zollstock messen sie die Wand aus und zeichnen Punkte ein.


ALTE FRAU:

Junger Mann

so setzen Sie sich doch

Setzen Sie sich neben mich

Wir könnten uns unterhalten


JUNGER MANN:

Vielleicht sollte ich mir eine Zigarette anzünden


er setzt sich


Kennen Sie das Phänomen mit der Zigarette?

Passen Sie auf

Sie müssen sich vorstellen

Wir stehen an der Haltestelle

und warten auf den Bus

Eine Viertelstunde

Zwanzig Minuten

eine halbe Stunde

aber kein Bus weit und breit

obwohl er längst überfällig ist

Sie zünden sich eine Zigarette an

und prompt nach dem zweiten Zug

biegt der Bus um die Ecke

und sie müssen

die gerade angezündete Zigarette wegwerfen

Das gleiche gilt für das Telefon

Den ganzen Tag klingelt das Telefon nicht

draußen regnet es

und sie nehmen ein Schaumbad

Noch keine fünf Minuten in der Badewanne

schon klingelt das Telefon


ALTE FRAU:

Seit fünfzehn Jahren

haben wir Telefon

und nie hat es geläutet

obwohl ich jeden Freitag bade

Wer hätte uns auch schon anrufen sollen?

Der einzige der das Telefon benutzt hat

ist mein Mann gewesen

Jeden Morgen

hat er die Zeitansage angerufen

wegen der Uhr im Wohnzimmer

Die alte Pendeluhr ist immer nachgegangen

jetzt steht sie

Siebzehn Uhr fünfunddreißig

Die Todeszeit meines Mannes

Ich habe sie angehalten

genau wie in dem Film

mit dem bekannten Schauspieler


JUNGER MANN:

Als ich Ruth mit nach Hause genommen habe

ist das Telefon unaufhörlich gegangen

Ihre Eltern

müssen sie wissen

Ihre Eltern

sind von Anfang an

gegen unsere Verbindung gewesen

Ruth und ich

wir wollten heiraten

Ihre Eltern hielten uns für zu jung

und jetzt ist es zu spät


ALTE FRAU:

O.W.Fischer

Ja O.W.Fischer ist es gewesen

der in dem Film

die Uhr angehalten hat

Mein Mann

hat ihn nicht leiden können

den O.W.Fischer

der war ihm nicht geheuer

Er hat lieber Krimis geschaut

mein Mann

und diese Ratespiele

wo man ein Auto

oder eine Flugreise gewinnen kann

Ich habe damals die Uhr angehalten

und die Schlafzimmertür zugemacht

In der ersten Zeit ging es noch

Ich habe im Wohnzimmer auf der Couch geschlafen

bis der Geruch immer stärker wurde


Sie öffnet die Handtasche und holt ein kleines Fläschchen heraus.


Wollen sie auch einen Schluck?


sie trinkt


Cola mit Jägermeister

Früher habe ich nur Cola getrunken

aber Cola ist nicht gut

für den Magen

haben sie im Fernsehen gesagt

Jägermeister

ist gut für den Magen

hat mein Mann immer getrunken

wegen der Magengeschwüre

Cola mit Jägermeister beruhigt


JUNGER MANN:

Ich muss einen klaren Kopf behalten

Das wichtigste hier ist ein klarer Kopf

sonst ist man hoffnungslos verloren


ALTE FRAU:

Mein Mann hat viel getrunken

aber geschlagen hat er mich nie


sie nimmt einen Schluck


Nein

geschlagen hat er mich nie

Er hat es auch nicht leicht gehabt

Mit 45 Jahren Invalide

Frührentner

Er hat dann angefangen

aus Streichhölzern

Häuser zu bauen

Ja geschickt war er schon

habe ich auch den Leuten vom Fernsehen gesagt


JUNGER MANN:

In Südfrankreich

hat man mich dann festgenommen

Eine Unachtsamkeit meinerseits

Das mit dem Doppelzimmer

ist ein großer Fehler

gewesen

Wenigstens

habe ich ihr Frankreich

zeigen können

wenigstens

etwas von der Welt


ALTE FRAU:

Ja

die Leute vom Fernsehen waren sehr nett

Sie haben mich zum Essen eingeladen

und mir den Friseur bezahlt

weil ich mir Butter ins Haar machen musste

Die Leute vom Fernsehen haben gesagt

dass man die Wirklichkeit

inszenieren muss

sonst glaubt sie einem niemand

Den ältesten Kittel

habe ich überziehen müssen

Am Anfang

habe ich mich ein wenig geniert

Lampenfieber

haben die Leute vom Fernsehen gesagt

Ich hatte Lampenfieber

wie ein richtiger Filmschauspieler


JUNGER MANN:

Der vom Gericht beauftragte Psychiater

meinte in seinem Gutachten

ich hätte Ruth nur mitgenommen

das Wort "geraubt"

hat er absichtlich ausgeklammert

weil man wohl

in meinem Fall

nicht von Diebstahl

sprechen kann

um aufzufallen

Verstehen Sie?

Um aufzufallen

Der Psychiater

der gerichtsmedizinische Gutachter

glaubte allen Ernstes

ich hätte Ruth mitgenommen

um aufzufallen

Ein vollkommener Blödsinn

Deswegen bin ich hier

und muss warten

würde ich jetzt beispielsweise

einfach durch die Tür III eintreten

ohne anzuklopfen

würden sie mir glatt

eine Megalomanie unterstellen

Megalomanie ist der Größenwahn

müssen sie wissen

Nein nein

ich muss dieses sinnlose Warten ertragen

Es ist wahrscheinlich

nur eine Prüfung

Es tut mir leid für Sie

dass Sie mit darunter zu leiden haben

Sie wollen sehen

wie weit man gehen kann

Sie glauben

durch ein Nichtbeachten

meiner Person würde ich erneut auffällig

Auffällig


er wird lauter bis er schreit


AUFFÄLLIG

AUFFÄLLIG

AUFFÄLLIG


ALTE FRAU (unterbricht):

Seien Sie doch ruhig

sonst müssen wir wiederkommen

Für mich bedeutet es die Hölle

wenn ich wiederkommen muss

Allein die vielen Menschen

auf der Straße

und im Bus

wie sie mich anstarren

wie sie andauernd auf mich zukommen

Nehmen sie Rücksicht auf mich

bitte


er setzt sich wieder


JUNGER MANN:

Es hat sowieso keinen Sinn

Wenn die wollen

dass wir warten

warten wir

 Taschenbuch 116 Seiten

 ISBN-10: 1500360481
 ISBN-13: 978-1500360481

 8,00 €        http://www.amazon.de/Jubilaeum-Hamburger-Stuecke-Johannes-Wierz/dp/1500360481/ref=la_B0053D9GKE_1_19?s=books&ie=UTF8&qid=1404144569&sr=1-19
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 3,08 €http://www.amazon.de/JUBIL%C3%84UM-Hamburger-St%C3%BCcke-Johannes-Wierz-ebook/dp/B00CD9PZ8S/ref=sr_1_20?s=books&ie=UTF8&qid=1404144763&sr=1-20

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