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Zwischen den Stühlen

 

Mit der Veröffentlichung seines ersten Romans gerät das Leben des Hamburger Autors aus den Fugen. Seine Ehefrau erkennt sich in dem Machwerk wieder und schmeißt ihn raus.

   Ein alter Freund stellt ihm in Bonn eine Wohnung zur Verfügung. Allein in der fastleeren Wohnung werden zwei alte Stühle zu seinen einzigen Gesprächspartnern, die ihn zunehmend mit seiner gespaltenen deutsch-österreichischen Identität konfrontieren.

   

Alle Namen und Charaktere in diesem Buch

sind erfunden, und jede Ähnlichkeit

mit lebenden oder verstorbenen Personen

ist rein zufällig.

Alle Rechte bei Johannes Wierz




1.

Meine Frau hat sich von mir getrennt, besser gesagt, ich muss unsere gemeinsame Wohnung verlassen.

Anfangs habe ich ihrer Bemerkung, auf der Stelle die Wohnung zu verlassen, keine Bedeutung geschenkt. Wie oft schon hat sie mir gedroht, mir Unverschämtheiten, Beleidigungen an den Kopf geworfen? Diesmal scheint mir der Grund ohnehin belanglos. Was habe ich denn schon getan?

Eine Erzählung habe ich geschrieben, eine winzige, unbedeutende Erzählung.

Sicher, meine Frau ist eine der Hauptpersonen. Aber wäre da Stolz nicht besser angebracht als Zorn? Außerdem ist meine Frau für ihr manchmal unüberlegtes Verhalten hinlänglich bekannt, wenn nicht sogar berüchtigt. Temperament nennen es die Verliebten und können davon gar nicht genug bekommen, was naturgemäß ein riesengroßer Fehler ist, denn wie schnell wird aus Liebe Hass.

Ich weiß zwar nicht ob meine Frau mich hasst, auf jeden Fall hat sie es diesmal mit ihrer Drohung, ich solle auf der Stelle die Wohnung verlassen, ernst gemeint. Zwar hat sie das auf der Stelle, eine Stunde nach unserem Disput, wieder zurückgenommen und daraus einen Monat gemacht, aber gerade das hätte mich stutzig machen müssen.

Aber zurück zu meiner winzigen, bedeutungslosen Erzählung. Nicht die Tatsache, dass ich meine Frau als einen barocken Typ skizziert, ihr die unmöglichsten Macken auf den Leib geschrieben habe, ist die Ursache für die plötzliche Kündigung von Tisch und Bett. Nein, ich habe sie am Schluss dieser winzigen und bedeutungslosen Erzählung einfach Sterben lassen, wobei ich mich naturgemäß nicht ausnehme. Ja, auch ich sterbe am Ende der Geschichte, zwar durch die Hand meiner Frau, aber es ist nur ein Unfall, keine böse Absicht habe ich meiner Frau unterstellt. Aber genau das tut sie. Sie wirft mir vor, dass ich sie in aller Öffentlichkeit als Mörderin hinstelle.

Dabei gibt es die Öffentlichkeit ja gar nicht. Niemand hat die Geschichte je gelesen. Sicher, ein paar Bekannten habe ich sie zum Lesen gegeben. Aber jeder weiß doch, wie das ist. Dankend nehmen solche so genannten Bekannten das Manuskript, für das man sich nächtelang krumm gelegt hat, für das man monatelang gelebt hat, an und versprechen, es, Neugier vorheuchelnd, alsbald zu lesen.

Ein interessanter Titel, sagen die so genannten guten Bekannten, blättern das Manuskript durch wie ein Telefonbuch und legen es zur Seite. Auf dem Schreibtisch bleibt es vielleicht, wenn es hoch kommt, zwei Tage, dann wandert es auf die Fensterbank. Auf der Titelseite sind deutlich zwei  große braune Kaffeetassenränder zu erkennen. Mittwochs wenn die Haushälterin kommt und in Gedanken verloren, auf der Fensterbank die Blumen gießt, ist es mit der Titelseite vorbei, vielmehr noch, bis Seite zehn ist nichts mehr zu machen. Die Seiten kleben aneinander. Am Abend entdeckt der Hausherr, vielleicht auch erst ein paar Tage später, auf der Heizung mein gewelltes Manuskript. Diesen Anblick kann er naturgemäß nicht ertragen und mein Manuskript wandert in den Schrank, dabei ist es egal um welche Gattung Schrank es sich dabei handelt. Hauptsache weit weg, bloß nicht den Anblick ertragen.

Ich, der Verfasser, werde vertröstet.

»Du, ich glaube, ich muss das noch einmal lesen. Du weißt doch, was momentan bei mir los ist und so zwischendurch, nein, nein, du wirklich, das ist nicht meine Art, du weißt doch, wie ich deine Art zu schreiben, schätze.«

Wenn meine Frau behauptet, ich hätte sie in aller Öffentlichkeit als Mörderin hingestellt, hat sie einfach unrecht, - mal abgesehen davon, dass unser gemeinsames Dahinscheiden aus einem Autounfall herrührt. Das Schlimme ist nur, wenn meine Frau im Unrecht ist, dreht sie erst so richtig auf. Wenn sie dann auch noch weiß, dass sie im Unrecht ist, bleibt sie stur.

»Auf der Stelle verlässt du unsere Wohnung«, hat sie gesagt. Seltsam dabei ist, sie hat es ganz ruhig gesagt. Da ist überhaupt keine Erregung in ihrer Stimme, auch funkelten ihre Augen nicht.

»Auf der Stelle verlässt du meine Wohnung!«

Es ist ja ihre Wohnung. In all den Jahren unserer Zweisamkeit habe ich das total vergessen.

Vor acht Jahren bin ich ja zu ihr nach Hamburg gezogen. Ich bin ja derjenige gewesen, der alles aufgeben, der alle Verbindungen abgebrochen hat. Wobei ich Fairerweise zugeben muss, dass es mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht schwer gefallen ist, alles aufzugeben. Ich habe damals einfach meinen kleinen alten Koffer gepackt, meiner lausigen Einzimmerbehausung adieu gesagt und bin nach Hamburg gefahren.


Eine Woche später habe ich endlich begriffen, dass sie es ernst meint. Eine Erkenntnis, die ich den freundlichen Handwerkern zu verdanken habe, die in meinem Arbeitszimmer gerade mit dem Ausmessen meines Zimmers beschäftigt sind, als ich von einem ausgiebigen Spaziergang der Außenalster entlang die Wohnungstür aufschließe. Ich lade alle auf ein Bier ein, wo sie mir die Modernisierungspläne meiner Frau erklärten, in denen ich nicht mehr vorkomme.

Wenn diese freundlichen und trinkfesten Herren mit meinem Arbeitszimmer, das teilweise auch mein Schlafzimmer ist, fertig sind, wird nichts, aber auch gar nichts mehr, in dieser Wohnung an mich erinnern. Meine Frau streicht mich, im wahrsten Sinne des Wortes, aus ihrem Leben.

In dieser Zeit stehe ich oft im Flur, luge durch den kleinen Spalt der Tür ins Wohnzimmer, wo meine Frau sitzt und Musik hört und kämpfe mit mir, hineinzugehen, mich zu entschuldigen und ihr einen neuen Anfang zu versprechen.

Aber wie oft haben wir es schon versucht mit dem neuen Anfang? Im Grunde besteht unsere ganze Beziehung aus neuen Anfängen. Aber ist ein Anfang nicht immer neu? Liegt vielleicht in dieser unrichtigen Bezeichnung das Scheitern unserer Beziehung?

Ich trockne im Flur die Teller ab, sehe durch den Spalt, wie meine Frau ihre Füße hochlegt und gehe nicht hinein.

Wie jeden Abend räume ich das Geschirr in den Schrank, lege das Handtuch über die Heizung und gehe in mein Arbeitszimmer, das mir, nachdem die freundlichen und trinkfesten Handwerker gegangen sind, fremd vorkommt. Wenn ein Zimmer eine Seele hat, dann würde meines mich gerade auslachen, denke ich. Dabei wird sich mein Arbeitszimmer noch nach mir zurücksehnen.

Nach den Plänen meiner Frau wird man den Teppichboden herausreißen und Parkettboden verlegen. Decke und Wände werden gestrichen, nicht zu vergessen die Tür, die Fenster und die Fußleisten. Mit der Ruhe wird es dann vorbei sein.

Ja, mein Zimmer wird sich noch nach mir zurücksehnen. Acht Jahre Ruhe und Behaglichkeit, das kann auch ein Zimmer nicht einfach so abstreifen. Aus meinem Zimmer soll das Esszimmer werden. Eine Tatsache, die mich am meisten kränkt.

Die Vorstellung meine so genannten guten Bekannten werden hier ein und ausgehen, sich den Bauch voll schlagen und sich mit einem Zahnstocher im Mund, nach meinem Verbleib erkundigen, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht.

»Übrigens, ich habe da noch ein Manuskript von Deinem Ex, soll ich es wegschmeißen?«

Drei Wochen habe ich jetzt also noch Zeit meine Habseligkeiten zu packen. Nachts liege ich auf meinem Bett und denke nach. Mir fällt beispielsweise eines Nachts die Geschichte eines Handwerkers ein, der, nachdem man ihn um seinen wohlverdienten Lohn gebracht, in das Mauerwerk vor dem Verputzen noch ein rohes Ei eingebaut hat. Da sich der Gestank erst nach ein paar Wochen so richtig entwickelt, ist es für den Hausherren unmöglich, nachdem die ganze Wohnung verputzt und tapeziert worden ist, herauszufinden woher der Geruch stammt. Vorstellen kann ich es mir schon, aber dabei belasse ich es denn auch.

Nein, ich will mich von meiner Frau, wenn es denn sein soll und muss, in aller Freundschaft trennen.

Da meine Frau den ganzen Tag arbeiten geht, habe ich genug Zeit, meine Sachen zu ordnen. Eine ganze Menge ist da in den letzten acht Jahren zusammengekommen. Allein drei große Regale voller Bücher stehen in meinem Arbeitszimmer.

»Ein Schriftsteller braucht Bücher«, hat meine Frau gesagt.

Sicher, sie hat es immer gut gemeint, wenn sie Taschen voller Bücher angeschleppt hat. Ihr Auswahlkriterium ist immer ein sehr einfaches gewesen. Sie hat sich einfach an den Bestsellerlisten orientiert. Diese Art von Büchern stehen meist an der Kasse der großen Buchläden, schön nach Platzierungen sortiert. Nur die wenigsten dieser Bücher habe ich gelesen. Was beispielsweise soll ich mit drei Bänden Das magische Auge anfangen?

Eines jedoch ist klar, mit meinem kleinen Koffer werde ich diesmal nicht auskommen.

»Entschuldige, meine Liebe, aber weißt du, wo mein kleiner Koffer abgeblieben ist?«

Der ist vor vier oder fünf Jahren auf den Müll gelandet. Da wo er hingehört!

Selbstverständlich übernehme ich alle Kosten, die mit Deinem Umzug zusammenhängen.«

Schweigend verlasse ich das Wohnzimmer, gehe in mein Arbeitszimmer, setze mich an meinen Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Ohne ein einziges Blatt an seinen Ästen steht er da, mein Nussbaum. Das Ärgernis für die ganze Nachbarschaft und meine Freude. Was wird er wohl ohne mich machen?

Wenn wir dieses Jahr wieder so einen heißen Sommer bekommen, sieht es nicht gut aus für meinen treuen Freund. Die Nachbarn werden sich freuen, wenn er eingeht. Mehrmals habe ich unter seinem kleinen Stamm, direkt an der Wurzel, Streusalz gefunden. Ob ich doch noch mit meiner Frau reden soll?

Nein, auch ich habe meinen Stolz. Wenn sie mich unbedingt loswerden will, dann bitte. Sie wird schon sehen, was sie davon hat. Den ganzen Haushalt habe ich für uns beide geschmissen. Da wird sie sich noch umschauen.

Dennoch bin ich am nächsten Tag in das Computer- und Kopiergeschäft in meiner Nachbarschaft gegangen und habe um Kartons nachgefragt. Der Besitzer, ein Ägypter, verspricht mir, ab sofort Kartons für mich zu sammeln. Dabei macht er ein trauriges Gesicht. Denn irgendwie, obwohl wir nie viel miteinander geredet haben, sind wir Freunde geworden. Oft, wenn mir am Nachmittag langweilig gewesen ist, bin ich zu ihm hinübergegangen und wir haben ein paar Runden Backgammon gespielt.


Zwei Wochen vor Ablauf des Ultimatums stapeln sich schon eine ganze Menge Kartons in meinem Arbeitszimmer, was nach unserem Disput, wegen dieser lächerlichen winzigen bedeutungslosen Erzählung, endgültig auch mein Schlafzimmer geworden ist.

Ich bin gerade dabei den ersten Karton mit meinen Habseligkeiten voll zu stopfen, da klopft es an meine Tür.

»Darf ich hereinkommen?«, höre ich die Stimme meiner Frau fragen.

Zusammen mit einer hochgewachsenen Afrikanerin betrat sie mein Arbeitszimmer. Eine wirklich hübsche Person, die sich später als meine Nachfolgerin in punkto Haushaltsführung herausstellen wird. In den nächsten zwei Wochen soll sie mir über die Schultern schauen, damit der Übergang auch nahtlos klappt.

Ich bin wirklich ein Gemütsmensch, aber was zuviel ist, ist zuviel. Erst als meine Frau mir erklärt, dass sie sich nicht scheiden lassen will. Und sie selbstverständlich für meinen Unterhalt aufkommt, beruhige ich mich langsam. Ich habe nichts dagegen, dass sie mich weiter steuerlich absetzte.

»Und was ist, wenn du wieder heiraten möchtest?«

»Glaub mir, ich habe die Schnauze voll von Männern. Und was ich brauche, nehme ich mir.«

Weitere Fragen zu stellen, halte ich für unnötig.

Sie meint es also wirklich ernst.

Im Grunde kann ich es ihr ja auch nicht verübeln.

Ich bin nun mal für eine Partnerschaft einfach nicht geschaffen. Den höchsten Grad an Glückseligkeit erreiche ich nur, wenn ich allein bin. Stundenlang kann ich beispielsweise allein spazieren gehen. Zusammen mit meiner Frau mache ich nach zehn Minuten schlapp, vor allem dann, wenn sie sich auch noch bei mir einhakt oder gar den Arm um meine Schultern legt.

Auch habe ich immer das Gefühl, überhaupt nichts wahrzunehmen, wenn jemand neben mir hergeht. Aber immerhin ist es acht Jahre lang gut gegangen.

Meine Frau ist ihrem Beruf nachgegangen und in meiner Zeit so manche Sprosse auf der Karriereleiter nach oben gestiegen. Ich habe derweil am Schreibtisch gesessen und versucht, meine Gedanken zu Papier zu bringen. Lange Spaziergänge habe ich unternommen, unter dem Arm Päckchen mit Manuskripten, die ich in den verschiedensten Postämtern von Hamburg aufgegeben habe, in der Hoffnung alsbald von der großen Literaturwelt wahrgenommen zu werden. Acht Jahre sind jetzt vorbei und es ist immer noch nichts passiert. Wäre mein Arbeitszimmer nicht so voll gestopft mit Sachen, die ich jetzt versuche in die Kartons zu stopfen, ich hätte schwören können, gestern erst in Hamburg angekommen zu sein.

Erst wenn ein Schlussstrich gezogen wird, merkt man, wie schnell die Zeit vergangen ist.


Eine Woche dauert es, bis ich mein Arbeitszimmer in die Kartons verstaut habe.

Da stehe ich nun in dem Raum, der mir acht Jahre lang Heimat gewesen ist, und starre auf die leeren Regale. Das Aussortieren habe ich schon nach einem halben Tag aufgegeben. Reine Zeitverschwendung sich zu überlegen, was man mitnimmt und was nicht. Meine Frau wird ohnehin alles wegschmeißen. Ein Karton mehr oder weniger, darauf kommt es jetzt wirklich nicht mehr an.


»Weißt du eigentlich schon, wo du hinziehen willst?«, fragt mich meine Frau, die mich zum Abendessen in ein gutes Speiserestaurant eingeladen hat.

Über diese Frage habe ich wirklich noch nicht nachgedacht. Ich habe sie einfach verdrängt. Wahrscheinlich werde ich zurück an den Rhein ziehen, da habe ich noch ein paar Freunde, besser gesagt einen Freund.

Acht Jahre Hamburg und keinen einzigen Menschen kennen gelernt, der es wert wäre, da zu bleiben. Das muss mir erst einmal wer nachmachen. Wie schon gesagt, ich bin halt gerne allein. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich schon erstaunt darüber, dass ich in den ganzen acht Jahren niemanden kennen gelernt habe.

Die so genannten guten Bekannten meiner Frau, die mit den Jahren auch zwangsläufig zu meinen so genannten guten Bekannten geworden sind, kann man allesamt vergessen: In der Milch der Oberflächlichkeit schwimmendes Gesindel, Aasgeier meiner Zeit.

Anfangs habe ich ja noch gedacht, als meine Frau mich als ihren Mann bei ihren so genannten guten Bekannten vorstellt hat, ich könne diese wenigstens zu Studienzwecken nutzen, den einen oder anderen so genannten guten Bekannten sogar in eine meiner kleinen unbedeutenden Erzählungen einbauen. Aber dieses Hamburger Gesindel hat mich sprachlos gemacht. Sobald ich mit ihm zusammengekommen bin, habe ich meine Sprache verloren. Ich bin nur da gesessen, habe auf die geschwätzigen Münder geschaut und bin fassungslos gewesen. Kein Thema ist ihnen fremd gewesen, auf alles haben sie eine Antwort parat. Da ist zwischen den Menügängen analysiert und seziert worden. Alles in einem rasenden Tempo, dass mir meist erst tief in der Nacht klar geworden ist, was für ein Blödsinn aus den fettigen Mündern der so genannten guten Bekannten gesprudelt ist. Wenn ich in meiner Sprachlosigkeit, nach langem Suchen, endlich wieder Wörter gefunden gehabt habe, ist die Versammlung der so genannten guten Bekannten längst aufgelöst gewesen.

»Du hättest ruhig auch mal was sagen können«, hat meine Frau meine Unfähigkeit in aller Regelmäßigkeit kommentiert, eine abwertende Handbewegung gemacht und mich einfach allein zurück gelassen.

Die so genannten guten Bekannten werden auch von meinem Auszug gewusst haben, bevor meine Frau überhaupt die Möglichkeit erwogen hat, mir den Stuhl vor die Tür zu setzen, denke ich beim Betrachten des leeren Arbeitszimmers.

Wieder das Gefühl von Heimat. Immer dann Heimat, wenn ich gehen muss. Das Gefühl zwischen den Stühlen zu sitzen, wird es in einer Woche nicht mehr geben. In einer Woche wird man mir den Stuhl vor die Tür stellen und wenn ich nicht aufpasse, werde ich ganz schön fallen.


Eine Woche Zeit, und ich habe immer noch keine neue Wohnung, kein Ziel, keine Perspektive auf etwas.

Im Grunde ist es ja egal, was ich mache, nur ein Stuhl muss vorhanden sein, ein neuer stabiler Stuhl. Etwas eben, was da steht, schon immer da gestanden hat. Ein Stuhl mit vier Beinen, viermal Bodenkontakt. Mit dem man wippen kann, ohne umzukippen, wo man sich dazwischen setzen kann, ohne auf den kalten Boden zu fallen. Einen Stuhl, meinen Kärntner Stuhl werde ich immer mit mir herumschleppen. Ohne meinen Kärntner Stuhl wäre wahrscheinlich auch gar nicht so viel passiert, hätte ich längst einen Beruf, würde nur auf einem Stuhl sitzen und funktionieren. Der Kärntner Stuhl aber, dem ich das Sitzen zwischen den Stühlen zu verdanken habe, lässt mich nicht zur Ruhe kommen, bestärkt mich in meinem Tun, gibt mir Sicherheit, dass es noch einen weiteren Stuhl gibt, - zwar andersartig -, auf den ich mich setzen, vielleicht aber auch nur abstützen kann, um eben zwischen den Stühlen zu sitzen. Eine Woche Zeit, um einen zweiten Stuhl zu finden.

Ein deutscher Stuhl sollte es schon sein, wo doch schon mein Kärntner Stuhl wackelt, immer gewackelt hat. Hat ja auch schon mein Großvater drauf gesessen, wie Generationen vor ihm. Der Kärntner Stuhl wackelt halt, würde gerne nach rechts fallen, fällt aber nicht, wird nie nach rechts fallen, auch wenn andere es behaupten oder es sogar angeblich immer schon gewusst haben, wie beispielsweise die Hamburger so genannten guten Bekannten.

Eine Woche Zeit, um einen neuen Stuhl zu finden. Gerade genug Zeit, um auf Altbewährtes zurückzugreifen.

Wenn schon der Hamburger Stuhl, und daran ist es ja letztlich gescheitert, so fest auf dem Boden gestanden ist, muss jetzt ein wackeliger her, um wieder in Balance zu kommen.


Ich liege auf dem Bett, starre abwechselnd auf die Umzugskartons, die eigentlich Computer- und Fotokopierpapierkartons sind, und die Decke, die mir lieb geworden war, deren Schattengebilde, hervorgerufen durch Autoscheinwerfer, die für einen kurzen Moment mein Zimmer erhellen, mich zu den ungeheuerlichsten Phantasien angeregt haben. Nordpolforscher, Sternentaucher, Hochseilartist in den Höhen des Unmöglichen.

Neben mir liegt das kleine Büchlein mit den Adressen, aber da steht nicht mehr viel drin. Die meisten Adressen haben ihre Gültigkeit verloren. Da ist geheiratet, umgezogen worden, um sich beruflich zu verbessern. Nein, da ist nicht sehr viel, was sich da in meiner handgeschriebenen Datenbank befindet. Die meisten Adressen durchgestrichen, auch gibt es Fragezeichen hinter den Namen oder neue Telefonnummern, die wiederum auch schon von mir durchgestrichen worden sind.

So reißen eben Kontakte ab. Vor allem, wo es anscheinend Mode geworden ist, eine Geheimnummer zu beantragen.

»Kein Anschluss unter dieser Nummer!«

»Bitte rufen Sie die Auskunft an!«

Das Adressbüchlein hat nicht viel Auswahl hinsichtlich eines neuen Stuhls.

Eine Frau kann ich in meiner momentanen Situation auf keinen Fall anrufen. Frauen sind zwar in meinem bisherigen Leben oft die letzte Rettung gewesen, leider aber auch Sackgasse bis hin zum Martyrium.

Es ist schlimm genug, nach acht Jahren gemeinsamer Wohnung, nach immerhin acht Jahren gemeinsamen Lebens, feststellen zu müssen, dass man sich eben getäuscht, sich permanent belogen hat, es würde sich um eine gemeinsame Wohnung handeln. Wo doch alle Welt weiß, vor allem die so genannten guten Bekannten es längst wissen, es immer schon gewusst haben, dass die gemeinsame Wohnung, immer nur die meiner Frau gewesen ist.

Ich bin damals vor acht Jahren zu ihr gezogen, habe ein Zimmer, das sie im Vorfeld hat leer räumen lassen, zur Verfügung, zur freien Nutzung, sozusagen, zugeteilt bekommen.

In dem Moment, als ich das Zimmer, das mir meine Frau zur Verfügung gestellt hat, als mein Zimmer angenommen hatte, hier sogar angefangen habe zu schreiben, - selbst der für meine Frau und mich tödlich ausgegangene Autounfall ist hier entstanden -, ist es vorbei mit dem Hamburger Stuhl.

Einbildung, Selbstüberschätzung, ja Unsinn das Ganze, je von meinem Arbeitszimmer, meinem Raum gesprochen zu haben.

Es ist ein auf Zeit mir zugeteilter Raum gewesen.

»Ich bin ein Baum«, habe ich zu meiner Frau gesagt, zu einem Zeitpunkt, wo alles längst entschieden ist, die Handwerker bestellt, die Tapete und das Parkett ausgesucht worden sind.

»Du und ein Baum«, hat sie gesagt und dabei angefangen, zu lachen.

Es ist kein Lachen aus Freude. Ein verächtliches Lachen ist das. Ein Lachen, das ich seit acht Jahren kenne und das mir immer noch durch Mark und Bein geht.

Ein monsterhaftes Lachen ist das, das die Gesichtszüge meiner Frau bis zur Unkenntlichkeit entstellt.


2.

Nachdem ich stundenlang auf meinem Bett gelegen, das naturgemäß auch nur eine Leihgabe meiner Frau ist, an die Decke gestarrt und vor meinem geistigen Auge das Adressbüchlein durchblättert habe, ist nur ein Name übrig geblieben.

Maron, heißt der Freund. Zwar haben wir uns in den letzten acht Jahren nicht all zu häufig gesehen, aber wenn wir uns getroffen haben, entweder in Hamburg, Paris, wo er für ein Jahr eine Dozentenstelle übernommen gehabt hat oder Bonn, der Ort in dem er jetzt lebt, sind es immer wieder unvergessene Tage gewesen. Sicher, wir haben uns in den über fünfzehn Jahren unserer Freundschaft oft gestritten, wobei, und darauf lege ich wert, wir uns nie um Positionen gestritten haben. Nie ist es uns in den Sinn gekommen, Macht zu demonstrieren.

Nächtelang diskutiert, Standpunkte erörtert, Irrungen, Wirrungen, Bier oder Wein getrunken, am Schluss immer einen Calvados, gebrüllt, getobt, in den Armen gelegen oder auf dem Boden, volltrunken. Auf jeden Fall sind wir immer als Freunde auseinander gegangen, haben uns mit einem Lächeln voneinander verabschiedet.

Maron ist Musiker, das erklärt vielleicht vieles. In den allerseltensten Fällen sind Musiker, naturgemäß nur die E-Musiker in Schlägereien verwickelt. In der ganzen Weltgeschichte kenne ich keinen Diktator, der Musiker gewesen, mit Ausnahme von Nero, der gleichzeitig ja auch Lyriker gewesen ist. Experimentelle Musik, experimentelle Lyrik in Verbindung mit Größenwahn kann nur zur Katastrophe führen. E-Musiker haben in der Regel ja auch gar keine Zeit, sich um die Außenwelt zu kümmern. Da ist das Theater, die Oper, das Konzerthaus, wo sich viele E-Musiker treffen, wo Intrigen gesponnen, Leidenswege gegangen werden, wo vernichtet wird.

Maron ist der einzige, den ich anrufen werde, anrufen kann.

Tag und Nacht kann ich mit Maron reden, wenn nicht mit ihm, so zumindest mit seinem Anrufbeantworter.

»Hier spricht Maron, aber nicht wirklich«, meldet sich die Anrufbeantwortermaschine.

Maron hat immer noch dieselbe überzeugende Telefonstimme.

Maron hätte lieber ins Finanzgeschäft einsteigen sollen. Den ganzen Tag Zahnärzte kontaktieren, um ihnen ihr Schwarzgeld aus der Tasche zu ziehen.

Würde Maron seine Fähigkeiten richtig einsetzen, spätestens nach einer halben Stunde hätte er von den Zahnärzten Kontovollmachten.

Es ist nicht so, dass ich meine Telefonstimme nicht für erotisch, für überzeugend halte, aber ich telefoniere nun mal ungern. Früher, vor acht Jahren, als ich meine Frau noch nicht gekannt habe, ja da, habe ich noch gern telefoniert. Aber acht Jahre als unfreiwilliger Mithörer der Telefonate meiner Frau mit ihren unsäglichen so genannten guten Bekannten, haben mich verändert.

Unangenehm einfach einen warmen Telefonhörer in den Händen halten zu müssen. Das Parfüm meiner Frau ist längst in die Ohrmuschel eingeätzt, sowie das unsägliche, unsinnige, total unwichtige Geschwätz der so genannten guten Bekannten meiner Frau. Immer fettig der Hörer, warm und glitschig der ganze Apparat.

Außerdem, mit wem hätte ich schon telefonieren sollen?

Meine Frau hat immer stundenlang telefoniert, dabei ist es ihr immer vollkommen egal gewesen, mit wem, wieso und warum. Hauptsache sie kann reden, reden, reden.

Selbst von meinem Arbeitszimmer aus, bei geschlossenen Türen, wenn ich die ohne Atem zu holende Stimme meiner Frau auf dem Flur vernehme, glaube ich die Atemgeräusche ihrer Zuhörer zu hören, die viel lieber ein Ja oder ein Ja, aber, in den Hörer geschrieen hätten.

Wenn sie dann nach drei, vier Stunden den Telefonhörer auf die Gabel geschmissen hat, wahrscheinlich nur aus Konditionsmangel, hat sie sich zuvor bei ihren Zuhörern mit den Worten verabschiedet:

»Bis gleich!«

»Ja, dann bis gleich!«

Wie oft habe ich mir das anhören müssen, obwohl die Tür meines Arbeitszimmers geschlossen gewesen ist.

»Bis gleich!«

»Ja, dann bis gleich!«

Sicher bin auch ich manchmal an der Tür gestanden, das Ohr an das Holz gepresst, selbst auf einen Anruf hoffend.

Einzelhaft, Kontaktsperre, kein schalldichter Stahlbetonbau, sondern eine fünf Zimmer sanierte Hamburger Altbauwohnung, ist acht Jahre mein Zuhause gewesen. Kaum jemand hat mich in den ganzen acht Jahren angerufen, ist durchgekommen, hat die Ausdauer sich gegen ein stundenlanges Tut, Tut, Tut, durchzusetzen gehabt und es immer und immer wieder zu versuchen.

Ich möchte nicht darüber nachdenken, wer alles versucht hat, die Anstrengung unternommen hat, durchzukommen.

Acht Jahre isoliert von der Außenwelt, durch das ewige Besetztzeichen habe ich mir eine Zeitlang vorgestellt, dass mir die besten Kontakte, Geschäfte durch die Lappen gegangen sind. Was naturgemäß ein vollkommener Blödsinn gewesen ist.

Fast gleichzeitig, also dann, wenn meine Frau den Hörer auf die Gabel geschmissen hat, habe ich in sekundenschnelle die Tür von meinem Arbeitszimmer aufgerissen und habe so meiner Frau in die Augen schauen können.

Triumphierende Blicke sind mir da auf der Wohnungsdiele entgegen geworfen worden, acht Jahre lang immer derselbe triumphierende Blick.

Nach dem gemeinsamen Essen mit unseren so genannten guten Bekannten, dient das Telefon meiner Frau dazu, sich bei unseren so genannten guten Bekannten, für mein Benehmen zu entschuldigen. Einen nach dem anderen wird von ihr angerufen, damit sie sich für mein Verhalten entschuldigen kann. Dabei habe ich den ganzen Abend überhaupt nichts getan. Die einzige Bemerkung, die ich an solchen Abenden von mir gegeben habe, ist ein: Ich weiß nicht gewesen.

Als die Hamburger so genannten guten Bekannten für mich noch Fremde gewesen sind, also am Anfang der Beziehung zu meiner Frau, habe ich des Öfteren das Wort an mich gerissen, was gar nicht so einfach gewesen ist. Ich habe die Dinge so geschildert, wie ich sie gesehen habe.

In der ganzen Zeit, in all den acht Jahren, habe ich Dinge nie kommen sehen, nie etwas geahnt. Ich habe die Dinge immer nur so beschrieben, wie ich sie in dem Augenblick gesehen habe.

Anfangs ratlos und bestürzt, haben die so genannten guten Bekannten meine Sicht der Dinge zur Kenntnis genommen. Dies ist wahrscheinlich nur der angeborenen Hanseatischen Höflichkeit zuzuschreiben.

Später aber, vielleicht nach einem Jahr, hat man auf meine Sicht der Dinge nur noch mit Ablehnung reagiert. Versteinert die Gesichter jedes einzelnen, wütend darüber, dass ich die Dinge sehe, die sie nur voraussehen können.

Es kann natürlich sein, dass es für einen wie mich, der eben nicht mit beiden Beinen auf dem Boden steht, sondern sich zwischen zwei Stühlen befindet, sozusagen in der Luft hängt, ein Zustand, der unheimlich auf die Oberarme geht, da man sich mit der flachen Hand jeweils auf einem Stuhl abstützt, wobei die Beine, parallel zum Boden, ausgestreckt sind, unmöglich ist, die Dinge eben nur zu sehen, wie man sie empfindet.

Die Hamburger so genannten guten Bekannten wippen lieber mit ihren Stühlen oder lehnen sich zurück, spülen sich mit teurem Cognac die Mundhöhlen aus, lassen letzte Käsereste, die Speiseröhre hinunter gleiten und lauschen ihren immer in derselben Tonlage befindlichen Stimmen.

Nicht eine Minute kann ich dieselbe Tonlage halten, wenn ich über die Sicht der Dinge rede. Allein die Tatsache, dass ich eine eigene Meinung und somit Stellung bezogen habe, hat meine Zuhörer irritiert und ausreichend, dass sie sich ablehnend mir gegenüber verhalten haben.

»Ja, sicher hast du Recht, aber... «

»Bedenke die Kehrseite der Medaille!«

»Alles hat zwei Seiten!«

Das war ihre Art über die Dinge zu sprechen.

Gott sei Dank bin ich jetzt von alledem erlöst, muss mir keine Theorien mehr anhören, wie beispielsweise Kriege entstehen oder warum so viele Menschen in der Dritten und Vierten Welt zugrunde gehen.

»Ein Menschenleben ist in diesen Regionen nicht viel wert. Die ganze Sache muss man philosophisch angehen.«

»Und was ist mit dem Balkan?«

»Wesentlich komplizierter, aber natürlich historisch erklärbar.«

»Wie kann man einen Völkermord historisch erklären?«

»Nun historisch vielleicht nicht, aber... «

»Wie kann man einen VÖLKERMORD erklären?«

Schweigen setzt ein und ich spüre die bösen Blicke meiner Frau. Ich weiß genau, in ein oder zwei Stunden wird sie wieder stundenlang das Telefon blockieren, um sich bei ihren so genannten guten Bekannten für mein Verhalten, für meine Fragen, zu entschuldigen.

Einmal hat allein die Frage, ob es nicht nur eine Welt gäbe, das gemeinsame

Essen mit den so genannten guten Bekannten schon bei der Suppe zum Platzen gebracht.

Gott sei Dank ist das jetzt vorbei.

Mit Maron dem Musiker werde ich demnächst essen, kochen werden wir gemeinsam und uns dabei unterhalten. Beim Salat putzen, beim Geflügel ausnehmen, werden wir Positionen beziehen. Ratlos werden wir sein und es auch bleiben und uns dennoch zuprosten.

Die Hamburger so genannten guten Bekannten werden auch weiterhin das blutige Fleisch sezieren, es in kleine Stücke schneiden und dabei gleichzeitig die Weltgeschichte, die Weltentwicklung sezieren, sie interpretieren, so als ob es sich hierbei um ein Theaterstück handelt, was man soeben im Hamburger Schauspielhaus oder im Thalia Theater gesehen hat.


»Warum liest du uns nicht einfach was vor?«

An dem Abend, als die gut genährten so genannten guten Bekannten sich in unserem Speisezimmer satt in den großen Sesseln zurückgelehnt haben, hat meine Frau mir diese Frage gestellt.


Heute, jetzt, wo ich auf dem Bett liege und mich entschieden habe nach Bonn, zu meinem Freund Maron zu ziehen, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich nicht auch das Ende aus meiner kleinen unbedeutenden Erzählung vorgelesen habe.

Das Ende von meiner Frau und mir, dieser blödsinnige Autounfall, der zweifelsohne auf das Konto meiner Frau gegangen ist.

Ist vielleicht dieser Abend ausschlaggebend gewesen, dass meine Frau, die ich immerhin mal gern gehabt habe, es jetzt aber, in Anbetracht der gepackten Kartons nicht zugeben will, mich so plötzlich, so unerwartet und konsequent vor die Tür setzt?

Meine Frau trennt sich ja nicht von mir, sie schmeißt mich einfach hinaus, streicht mich, lässt mich aus ihrem Leben streichen. Wenn erst einmal die Handwerker in meinem Arbeitszimmer gewesen sind, wird nichts mehr von mir übrig bleiben.

Vielleicht lasse ich die alten Fahrräder im Heizungskeller. Jahre ist es her, dass ich sie habe reparieren wollen. Immer wieder verschoben, wie  so viele andere Dinge auch. Alle Dinge vor mir her geschoben, ohne dass es hinter mir leerer geworden wäre, ganz im Gegenteil.

In meinem Rücken steht eine schlecht aufgeschichtete Wand, die nicht mehr viel benötigt, um zu kippen. Wenn es erst bröckelt, wird sich die Lawine in Bewegung setzen. Dann wird es kein Halten mehr geben. Wenn sich die schlecht aufgeschichtete Wand in Bewegung setzt und auf meine vor mir her geschobenen Dinge trifft, werde ich dazwischen sein und es wird nicht viel übrig bleiben von mir.


In dem Moment, als ich die Vorwahl von Bonn gewählt habe, klopft es an meine Tür.

Ohne eine Antwort abzuwarten, betritt meine Frau mein Arbeitszimmer.

»Du hast also das Telefon! Ich habe es schon überall gesucht!«

»Wenn du es nicht hast, kann ich es nur haben, oder wohnt hier schon eine dritte Person? «

Nach dir wird es hier außer mir keine Person mehr geben, das verspreche ich dir!«

Du hast mich also schon zur Person erklärt?«

Mach dich doch nicht lächerlich, ich will nur das Telefon!«

Ohne Telefon, keine neue Wohnung!«

»Andere kaufen sich eine Zeitung oder schalten einen Makler ein. Wen um alles in der Welt willst du um diese Zeit noch anrufen?«

»Maron rufe ich an, wen denn sonst«, sage ich, lege aber, in dem Moment, als ich das sage, den Hörer zurück auf die Gabel.

»Maron«, lacht meine Frau, ich hätte es mir denken können. Du bist ein ewiger Kreislauf!«

»Ich bin ein Baum, nicht mehr und nicht weniger! Ein Baum, den man nicht so einfach verpflanzen kann! Der neue Standort muss gut überlegt sein!«

»Willst du mir drohen? Sollte das jetzt gerade eine Drohung sein?«

Dieser Roman wurde mit einem Arbeitsstipendiums des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Tb 232 Seiten

ISBN-10: 1-5175-4437-8
ISBN-13: 978-1-5175-4437-9

14,91 €     http://www.amazon.de/Zwischen-den-Stuehlen-Johannes-Wierz/dp/1517544378/ref=asap_bc?ie=UTF8
Auch als e-book:   http://www.amazon.de/ZWISCHEN-DEN-ST%C3%9CHLEN-K%C3%A4rnten-Saga-ebook/dp/B006X0IEFE/ref=asap_bc?ie=UTF8

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